Neue Schulen bedeuten neue Möglichkeiten für syrische Kinder

Neue Schulen für syrische Kinder Bild vergrößern Neue Schulen für syrische Kinder (© photothek.net) Januar 2016- Türkei- „Kinder mussten sechs Stunden im Stehen ihren Lehren zuhören. Rostige und wacklige Tische, die wir aus dem Lager holten, konnten nur teilweise ihren Zweck erfüllen. Manche Kinder mussten während des Unterrichts stehen und Lehrer bestimmten dazu wechselnde Schichten. Pausen zwischen den Stunden und zum Mittagessen bedeuteten für viele Schüler meistens nicht mehr als eine Gelegenheit sich hinzusetzen und auszuruhen“, erzählt Mehmet Eriç, der Koordinator eines Temporären Bildungszentrum in İncesu in Hatay, das von UNICEF unterstützt wird. Aber jetzt, dank der großzügigen Unterstützung durch die deutsche Regierung, hat jedes Kind einen Schreibtisch und einen Stuhl zum Sitzen. Das bedeutet, dass die Kinder sich im Unterricht besser konzentrieren und in den Pausen mit ihren Mitschülern spielen können – beides notwendig für verbessertes Lernen. „Davor hatten wir nicht genug, um die Bedürfnisse unserer Schüler abzudecken“, fährt Mehmet fort, „aber jetzt stehen die Tische genauso für das Recht der Kinder zu spielen wie für das Recht zu lernen.“

Mit fast 2,5 Millionen syrischen Flüchtlingen im Januar 2016 ist die Türkei zur Heimat der größten Anzahl von Syrern geworden. Die Anzahl der syrischen Kinder in der Türkei hat eine Million überschritten, und obwohl fast 280.000 Kinder an Schulbildung teilnehmen, bleiben 450.000 der Schule fern. Zugang zu Bildung ist nicht nur ein Grundrecht dieser Kinder, es ist ausschlaggebend für die Zukunft Syriens und der Region. Zu diesem Zweck hat UNICEF in enger Partnerschaft mit dem Ministerium für Nationale Bildung und anderen Partnern gearbeitet, um das existierende System zu stärken, mehr Zugang zu schaffen und die Qualität von inklusiver Bildung für sowohl syrische als auch ungeschützte türkische Kinder zu verbessern.

Gestaltung einer Zukunft für syrische Kinder

Mit der finanziellen Unterstützung der deutschen Regierung war es UNICEF möglich, im Jahr 2015 notwendige Schulausstattung für 82 Temporäre Bildungszentren (TBZ) – 69 in der Provinz Hatay und 13 in Adana - zu renovieren und bereit zu stellen. Jeder TBZ wurden Gegenstände wie Schreibtische, Tafeln, Lehrertische, Stühle, Schränke, Möbel für Lehrerzimmer sowie ein großer Konferenztisch bereitgestellt. Die positive Auswirkung, die diese Unterstützung für syrische Schüler bedeutet, darf nicht unterschätzt werden.

Laut des syrischen Lehrers Halit Muhammed im TBZ in İncesu in Hatay hatten diese Verbesserungen auch eine positive Auswirkung auf die Lehrer und die Qualität des Unterrichts. „Wir sind dem deutschen Staat und UNICEF dankbar dafür, dass sie uns mit diesen Materialen ausgestattet haben“, sagt Halit. „Es ist uns jetzt möglich, unseren Kindern eine bessere Qualität der Bildung zu liefern und wir sehen bei den Schülern bereits Vorteile hinsichtlich verbesserter Konzentration und höherer Motivation.“

In der Provinz Şanlıurfa, in Flüchtlingslagern in Akçakale und Ceylanpınar, haben währenddessen viele Schüler Unterricht besucht, der in Zelten untergebrachten Klassenräumen stattfand. Doch finanzielle Hilfe durch die deutsche Regierung ermöglichte es UNICEF jetzt, viele dieser Zelte zu Container-basierten Klassenzimmern umzuwandeln (12 Container in Akçakale zugunsten von 1.080 Vorschulkindern und 50 Container in Ceylanpınar zugunsten von 4.500 Vorschulkindern, Grund- sowie Sekundarschülern), und damit diesen Kindern die Möglichkeit zu geben, unter sehr viel besseren Konditionen lernen und spielen zu können.

Die 10 Jahre alte Beyen ist eine dieser Schülerinnen, die eine Container-Schule besuchen wird.  „Wenn ich groß bin, werde ich Ärztin, dafür werde ich hart arbeiten“, erklärt sie aufgeregt mit leiser Stimme, als erzähle sie ein Geheimnis. „Wenn man nicht in die Schule geht, hat man keine Zukunft. Wenn man gut lernt und seine Hausaufgaben macht, kann man Arzt werden, um Menschen zu heilen. Genau das werde ich machen…“

 Muhammed, ein freiwilliger Lehrer aus Syrien, der in Akcakale unterrichtet, ist genauso erfreut über die Möglichkeiten, die seine Schule den syrischen Kindern in der Türkei geben wird – nicht nur hinsichtlich ihrer Ausbildung, sondern auch ihrer Hoffnungen und Ambitionen. „Als Lehrer ist es nicht nur unsere Pflicht, ihnen qualitative Bildung zu bieten, sondern auch sie daran zu erinnern, was sie tatsächlich erreichen können. Deshalb müssen wir mit dem, was wir machen, weitermachen, härter arbeiten und die Kinder stärker unterstützen.

Mit einem Blick auf die Ausstattung und die Möbel seiner neuen Schule nickt er. „Im Moment sehen sie vielleicht aus wie schlichte Schreibtische – aber in Wirklichkeit sind sie entscheidend bei der Absicherung, dass nicht eine ganze Generation syrischer Kinder in diesem Konflikt verloren geht. Es sind solche Schreibtische, die die Köpfe eines neuen Syriens hervorbringen – Ingenieure, Anwälte, Ärzte und Lehrer“, schließt er mit einem Lächeln.

Neue Schulen bedeuten neue Möglichkeiten für syrische Kinder

Neue Schulen für syrische Kinder