Von der Botschaft zum heutigen Generalkonsulat

Bosporusblick auf die Botschaft um 1890 Bild vergrößern Bosporusblick auf die Botschaft um 1890 (© DAI Istanbul (D-DAI-IST-R25.848 Abdullah Freres)) Der Neubau der Kaiserlich-Deutschen Botschaft in Istanbul stieß anfangs auf heftige Kritik. Er wurde als eine Masse ohne Gliederung, ohne architektonische Schönheit bezeichnet. Grund dieser Ablehnung war die aus leichten Holzhäusern bestehende Nachbarschaft des Kaiserlichen Palais. So wirkte dieses Bauwerk, das heute unter Denkmalschutz steht, wie ein Fremdling. Es erlebte in den mehr als hundert Jahren seines Bestehens ein  wechselvolles Schicksal:

Die Niederlage des Osmanischen Reiches im ersten Weltkrieg, in dem es auf Seiten Deutschlands gekämpft hatte, besiegelte dessen Ende. Die Türkei wurde im Waffenstillstandvertrag von Mudros zum Abbruch der Beziehungen zu Deutschland verpflichtet. Die schwedische Gesandtschaft übernahm als Schutzmachtvertretung Deutschlands das Gebäude.

Nach der Befreiung Istanbuls am 23. August 1923 durch General Mustafa Kemal, später Atatürk, wurden die deutsch-türkischen Beziehungen wieder aufgenommen. Am 29.Oktober rief Atatürk die Republik aus. Er erklärte Ankara zur Hauptstadt da er davon ausging, dass die beabsichtigten Reformen im von Vergangenheit und Traditionen geprägten Istanbul nicht umgesetzt werden könnten. Folglich wurden alle Botschaften nach Ankara verlegt, doch der Umzug verzögerte sich bis 1928, da geeignete Gebäude erst errichtet werden mussten. Das Generalkonsulat Istanbul nahm dann am 4. Juli 1931 seine Tätigkeit auf.

Historische Ansicht des Generalkonsulats um 1960 Bild vergrößern Historische Ansicht des Generalkonsulats um 1960 (© Generalkonsulat Istanbul) Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges (1944) brach die Türkei auf Verlangen der Alliierten erneut die Beziehungen zu Deutschland ab. Diesmal übernahm die Schweiz die Schutzmachtvertretung für Deutschland. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 wurde als eine der ersten Auslandsvertretungen das Generalkonsulat in Istanbul am 24.10.1950 wieder eröffnet. Es wurde anfangs in gemieteten Räumen in Üsküdar untergebracht. Im Jahre 1953 gab der Finanzpräsident von Istanbul Gebäude und Inventar dem Generalkonsul zurück.

Das Gebäude der ehemaligen Botschaft in Istanbul hatte seit der Einweihung viele ernsthafte Schäden erlitten. Auch die betriebstechnischen Anlagen waren unzeitgemäß, so dass es von 1983 bis 1989 renoviert wurde. Grosse Beachtung wurde dabei der Renovierung der Fassaden, der Fenster sowie der Türen geschenkt. Auch der vorhandene Parkettboden im Kaisersaal und in den Salons wurde originaltreu erneuert.

Heutige Ansicht des Generalkonsulats Bild vergrößern Heutige Ansicht des Generalkonsulats (© Özer Kürklü) Heute ist das Bauwerk von mehrstöckigen Gebäuden umgeben, so dass seine Monumentalität gegenüber früher abgemildert ist. Außer den Diensträumen und dem Wohnsitz des Generalkonsuls ist seit 1989 die Abteilung Istanbul des Deutschen Archäologischen Instituts im Gebäude und die Visa-Stelle auf dem Gelände untergebracht.

Historische Ansicht der Botschaft von der Taksim-Seite aus gesehen

Botschaft im Deutschen Reich

Nach Gründung des deutschen Kaiserreiches 1871 entschied die Reichsregierung ein Missionsgebäude in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul zu errichten.

Von der Botschaft zum heutigen Generalkonsulat

Gartenansicht Generalkonulat Istanbul

Die Adler

Der Adler in den Toren

"Es ist wahr, daß es überall Adler gibt: Auf dem Dach, auf den Tür- und Fenster­­verkleidung­­en, sogar auf den Kachel­­öfen..."

Zwei Brunnen

Brunnen, Marmor, 1906, Geschenk des Sultans Abdülhamids II. mit Widmungsinschrift

Vor dem Gebäude, neben der Einfahrt, ragt ein Marmor­­brunnen auf. Er wurde 1906 als Geschenk Sultan Abdülhamits II. an die kaiserliche Botschaft errichtet, als diese an die von ihm gebaute Wasserleitung angeschlossen wurde.

Alte muslimische Gräber

Familiengrabstelle des Silahtar Ali Ağa und seiner Familie im Garten des Generalkonsulats

Das Generalkonsulat neben einem ehemaligen muslimischen Friedhof erbaut. In seinem Garten (hinter dem Gebäude) befinden sich auch heute noch die Gräber des Familienangehörige des Oberstbarbier (Berberbaşı) Ali Ağa.

Kaiserzeit - Wilhelm II.

Kaiser Wilhelm II. Ölbild im Kaiserlichen Botschaftspalais. Max Fleck 1916

Gebaut wurde die ehemalige kaiserliche Botschaft des Deutschen Reiches in der Regierungszeit von dessen Gründer, Wilhelm I. (1861-88). Ihre Glanzzeit erlebte sie jedoch unter Kaiser Wilhelm II. (1888-1918).