Daheim in Konstantinopel - Deutsche Spuren am Bosporus seit 1850

Im vergangenen Jahr erschien im Pagma-Verlag Nürnberg der von Erald Pauw herausgegebene Sammelband „Daheim in Konstantinopel - Deutsche Spuren am Bosporus seit 1850“.

Buch-Cover "Daheim in Konstantinopel - Deutsche Spuren am Bosporus ab 1850" Bild vergrößern Buch-Cover "Daheim in Konstantinopel - Deutsche Spuren am Bosporus ab 1850" (© Pagma Verlag) Die einzelnen Artikel in diesem Band stellen Menschen vor, die in den Jahrzehnten ab der Mitte des 19. Jahrhundert in der »Stadt an den zwei Kontinenten« ihren Lebensmittelpunkt hatten. Seit diesem Zeitpunkt trifft man in der osmanischen Hauptstadt auf eine wachsende deutschsprachige Kolonie. Um 1900 misst sie nach einigen tausend Personen. Noch vor den Diplomaten, entsandten oder nicht entsandten Militärs, Handelsvertretern und Handwerkern aus Staaten auf dem Gebiet des späteren Deutschen Kaiserreichs bildeten Zuzügler aus dem Habsburgerreich, damals geographischer Nachbar der Osmanen, die Vorhut dieser deutschsprachigen »Migration«. Die Erschließung der Donauroute zum Schwarzen Meer für die Dampfschifffahrt ab 1830 verbesserte die Verkehrsverbindungen. Eine weitere Gruppe bildeten Kaufleute aus der heutigen Schweiz, wo sich früher als in anderen deutschsprachigen Regionen exportorientierte Industrien (v. a. Textilien sowie Uhren) etablierten, die über die italienischen Häfen Absatzmärkte im Osmanischen Reich bedienten und von dort Rohstoffe bezogen. Die Kooperationen zwischen dem Osmanischen Reich und dem Deutschen Reich vor dem Ersten Weltkrieg ließ die Kolonie weiter anwachsen, bis mit der Ausweisung fast aller deutschen und österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen am Weltkriegsende 1918 eine Zäsur eintrat. Erst im Verlauf der 1920er Jahre normalisierten sich die Beziehungen der neuen Republik Türkei mit Deutschland und Österreich wieder und ermöglichten die Rückkehr vieler ehemaliger Mitglieder der deutschsprachigen Kolonie in die Stadt, die seit 1930 offiziell Istanbul heißt.

Daheim in Konstantinopel ergänzt eine Reihe von Veröffentlichungen über die Deutschen und Deutschsprachigen im heutigen Istanbul. 1998 veröffentlichte Anne Dietrich Deutschsein in Istanbul, eine Studie, die immer wieder zitiert wird. Auch wenn der Fokus dieser Arbeit auf anderen Zeitabschnitten lag, findet man in ihrem Buch viele Informationen zu den ungefähr sieben bis acht Jahrzehnten ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in denen sich verstärkt Deutsche und Deutschsprachige im damaligen Konstantinopel - die gebräuchlichste Benennung der Stadt auf Türkisch war Dersaadet -  niederließen und in mehr und mehr Bereichen des Lebens der osmanischen Metropole auftauchten.

2003 machte Barbara Radt dann in einer Veröffentlichung eine Fälle von Informationen zur - neben Kirchen und Schulen - lange wichtigste gesellschaftliche Institution der Kolonie verfügbar: die Teutonia e. V. Sie wurde 1847 als gesellige Vereinigung ins Leben gerufen und war bis ungefähr 1970 gesellschaftlicher Bezugspunkt vieler Deutschsprachiger. Dass neben der Teutonia immer auch andere deutschsprachige Vereinigungen mit eher österreichischer oder schweizerischer Prägung bestanden, ist angesichts der vielfältigen politischen Geschichte des deutschsprachigen Mitteleuropas v. a. im 19. Jahrhundert ebenso wenig überraschend wie die Tatsache, dass die Frage, was unter »deutsch« zu verstehen ist, damals mehrere Antworten zuließ. Auch im Zuge der Gründung der evangelischen deutschsprachigen Gemeinde ab 1843 und in den ersten Jahrzehnten der »Deutschen und Schweizer Bürgerschule«, Vorläuferin der heutigen »Deutschen Schule Istanbul«, ab 1867 setzte man sich in den deutschsprachigen Kreisen am Bosporus intensiv mit diesem Thema auseinander.

Matthias v. Kummer hat im von ihm 2008 herausgegebenen Sammelband zur Deutschen Präsenz am Bosporus wenig Jahre später einen Weg beschritten, der auch in diesem Buch gewählt wurde: mit einer Sammlung von verschiedenen, mehrheitlich biographisch angelegten Einzelbeiträgen einen relativ breiten Ausschnitt der »deutschen« Geschichte in der Stadt zwischen 1850 und 1918 zu erfassen. Zum österreichisch-türkischen Verhältnis wie zu den diplomatischen Baudenkmälern vor Ort bringt der 2010 von Rudolf Agstner und Elmar Samsinger erstellte Sammelband eine ähnliche Fülle von Informationen.

Vor kurzem hat Sabine Mangold-Will in ihrer umfangreichen Studie über die deutsch-türkischen Beziehungen zwischen den beiden Weltkriegen auch diese lange vernachlässigte Zeit eingehend behandelt. Ein weiteres Kapitel deutsch-türkischer Geschichte und damit auch der Geschichte der deutschen Kolonie in Istanbul ist die Anwesenheit deutscher Exilwissenschaftler in der Türkei während der Jahre des Nationalsozialismus in Deutschland, eine historische Episode, die bereits eine ausführliche Darstellung und so die ihr zukommende Würdigung erfahren hat.

Daheim in Konstantinopel / Memleketimiz Dersaadet nähert sich in wissenschaftlich fundierten, individuellen und nach Möglichkeit mit zeitgenössischem Bildmaterial illustrierten Porträts von Personen und Institutionen aus der Kolonie (Deutsche Schule, Evangelische Kirche) der Alltagswirklichkeit in den Jahrzehnten vor und nach 1900.

Der Text ist durchgehend zweisprachig deutsch- türkisch. Das Buch ist zu beziehen über http://pagma-verlag.de/

Einleitungsbild Artikel: Die Anfänge der heutigen Deutschen Schule Istanbul – Gründungsjahre der »Deutschen und Schweizer Bürgerschule« von 1867 bis 1874

Ein Artikel aus der Publikation über den Anfang der traditionsreichen heutigen Deutschen Schule Istanbul in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Hinweis: Bei der vorliegenden Fassung des Artikels handelt es sich um eine gegenüber der Originalfassung leicht verbesserte Version. Insbesondere wurde- wo notwendig- die genauen Amtsbezeichnungen der Chefdiplomaten des Norddeutschen Bundes bzw. seit 1871 des Deutschen Reiches korrigiert. Die Vertretung des Norddeutschen Bundes bzw. des Deutschen Reiches wurde erst ab  1874 in den Rang einer Botschaft erhoben bzw. wurde ihr Leiter als „Botschafter“ akkreditiert, während die vorhergehenden Vertreter Preußens, des  Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reiches in aller Regel lediglich als „Gesandte“ tätig waren.

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