Trauerfall – Was nun?

Kirche Maria Meeresstern in Werder Bild vergrößern Kirche Maria Meeresstern in Werder (© picture-alliance/ZB) Zu den schwierigsten Aufgaben unseres Lebens gehört es, sich von nahestehenden Menschen zu verabschieden. Wir möchten Ihnen deshalb einen Leitfaden mit auf den Weg geben, damit Sie neben Ihrer Trauer die Vielzahl von Aufgaben und Formalitäten bewältigen können. Wir haben die wesentlichen Schritte, welche bei einem Sterbefall in der Türkei unternommen werden sollten, übersichtlich für Sie auf den folgenden Seiten zusammengefasst.

Für eine würdige Bestattung eines geliebten Menschen als letzte Möglichkeit der Ehrerbietung ist eine Vielzahl von Formalitäten nach dem Todesfall zu erledigen:

1. Amtliche Formalitäten

Die amtlichen Formalitäten für eine christliche Beerdigung sind im Normalfall die gleichen wie für  eine  islamische Beerdigung. Zusätzlich bedarf es aber der Einsargung und der Organisation der kirchlichen Zeremonie.

a.) Totenschein (Ölüm Raporu)

Das wichtigste Dokument ist der Totenschein. Ist der Tod in einem Krankenhaus eingetreten, wird der Totenschein von dem Krankenhaus ausgestellt (vgl. Artikel 16 Absatz 1 der Durchführungsverordnung den Standort von Friedhöfen, Transport des Leichnams und das Beerdigungsverfahren betreffend, Nummer 27467 vom 19.01.2010).

Sollte der Tod außerhalb einer Gesundheitseinrichtung eingetreten sein, so können Sie den Totenschein beim Gemeindearzt oder beim Gemeindegesundheitszentrum des Bezirkes, wo sich der Leichnam befindet, beantragen (vgl. Artikel 16 Absatz der 3 der Durchführungsverordnung Nummer 27467 vom 19.01.2010).

Für die Ausstellung eines Totenscheines sind die Informationen bzgl. der Identität des Toten maßgeblich. Hierzu bedarf es des Personalausweises/Reisepass im Original oder der Geburtsurkunde des Verstorbenen. Sind diese Dokumente nicht auffindbar, ist eine Erklärung der Angehörigen zu der Frage der Identität des Verstorbenen (Name, Vorname, Identitätsnummer) ausreichend.

Auch bei ausländischen Todesfällen (Touristen, Geschäftsleute, in der Türkei lebende Deutsche) setzt die Gesundheitsdirektion innerhalb von 10 Tagen nach Eintreten des Todesfalles die Direktion für Personenstandswesen darüber in Kenntnis, dass die betreffende Person verstorben ist. Der Personalausweis/Reisepass des Verstorbenen im Original oder ggfs. die Erklärung der Angehörigen bzgl. der Identität des Verstorbenen wird an die Behörde weitergeleitet (vgl. Artikel 22, 23 der Durchführungsverordnung Nummer 27467 vom 19.01.2010). Falls der Tod nicht in einem Krankenhaus eingetreten ist, müssen ggfs. die Angehörigen des Verstorbenen die  Direktion für Personenstandswesen über den Todesfall informieren.

Nach Vorlage des Totenscheines und des Personalausweises des Verstorbenen, stellt die Gesundheitsdirektion auf Antrag eine Genehmigung zur Bestattung des Leichnams aus.  Bei Tod in einem Krankenhaus kann diese Genehmigung auch von dem Krankenhaus erteilt werden.

b.) Sterbeurkunde

Die deutschen Auslandsvertretungen in der Türkei können Sterbeurkunden nur in Ausnahmefällen und nur für deutsche Staatsangehörige, die nie türkische Staatsangehörige waren, beschaffen. In der Regel ist die Beschaffung einer mehrsprachigen (internationalen) Sterbeurkunde (Formül C) bei dem örtlichen türkischen Personenstandsamt aber kein Problem. Die mehrsprachige Sterbeurkunde wird auch in Deutschland ohne weitere Formalitäten oder Übersetzung anerkannt.

Mehr zur Beschaffung von türkischen Personenstandsurkunden erfahren Sie unter dem Stichwort „Beschaffung von Personenstandsurkunden, Urteilen und Apostillen“.

c.) Anzeige an das Standesamt I

Der Tod deutscher Staatsbürger sollte innerhalb von sechs Monaten mündlich oder schriftlich beim Standesamt I in Berlin (http://www.berlin.de/standesamt1/) angezeigt werden, das für Geburts- und Sterbefälle für alle Deutschen im Ausland zuständig ist. Eine Anzeigepflicht für Todesfälle im Ausland besteht nicht, wenn stattdessen durch eine ordnungsgemäße ausländische Sterbeurkunde der Tod einer Person nachgewiesen wird.

d.) Bestattungsunternehmen

Es ist ratsam ein Bestattungsunternehmen zu beauftragen. Dieses organisiert insbesondere den Transport und die Einsargung des Leichnams. Sollten Sie besondere Wünsche haben, ist es sinnvoll diese detailliert anzusprechen. Der Leistungsumfang und der im Gegenzug zu zahlende Preis sollte von den Parteien konkret und verbindlich festgelegt werden, um Überraschungen vorzubeugen.

e.) Diverse, andere Formalitäten

Folgende Formalitäten sind mit dem Eintritt des Todes erforderlich und müssen von den Angehörigen erledigt werden:

Bei bestehender Lebens- oder Unfallversicherung sind diese innerhalb von 24 Stunden über den Todesfall des Verstorbenen schriftlich zu informieren. Dies gilt ebenso für die gesetzliche Krankenversicherung (Versichertenkarte ggfs. erforderlich). Hinzu kommt die Abmeldung von Versicherungen aller Art, Klärung und Beantragung der Rente (Rentenversicherungsnummer, Nachweis des Versorgungsamtes, Nachweis der Berufsgenossenschaft etc.), den Austritt von Vereinen, Kündigung von Dienstleistungen (Strom, Wasser, Telefon, Zeitungen etc.), Kündigung der Wohnung etc.

2. Bestattung in der Türkei

Entsprach es dem Willen des Verstorbenen, in der Türkei beigesetzt zu werden, sind folgenden Informationen und gesetzlichen Bestimmungen zu beachten:

Islamische Beerdigungen erfolgen in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Eintritt des Sterbefalles, eine christliche Bestattung dagegen lässt sich bei entsprechenden Bedingungen um mehrere Tage verschieben.

Der Wunsch nach einer christlichen Beerdigung in der Türkei sollte den Angehörigen rechtzeitig mitgeteilt werden, damit die Hinterbliebenen vor überflüssigen Erschwernissen bewahrt bleiben und die Trauerfeier dem Willen des Verstorbenen entsprechend organisieren können.

In der Türkei kommt eine Feuerbestattung mit anschließender Urnenbeisetzung nicht in Frage. Auch wenn gemäß Artikel  224, 225 des türkischen Gesetzes für allgemeinen Gesundheitsschutz (Gesetz Nr. 1593) grundsätzlich unter bestimmten Voraussetzungen eine Baugenehmigung für ein Krematorium in der Türkei erteilt werden kann, sind diese bisher faktisch in der Türkei nicht vorhanden oder in Betrieb. Daher ist lediglich die Erdbestattung des Verstorbenen in einem Sarg möglich.

In der Türkei stehen die Friedhöfe fast ausschließlich unter städtischer Verwaltung. Für die Bereitstellung der letzten Ruhestätte ist das Friedhofsamt zuständig.

Für die Beerdigung eines Christen ist nicht die Staatsangehörigkeit, sondern die religiöse Glaubenszugehörigkeit, die im Personenstandsregister bzw. Taufschein eingetragen ist, maßgeblich.

Eine Beerdigung eines Christen auf einem islamischen Friedhof ist aus religiösen Gründen in der Türkei grundsätzlich nicht möglich. Es gibt jedoch auch Friedhöfe, auf denen Christen bestattet werden können.

3. Bestattung in Deutschland

Entscheiden sich die Angehörigen dem Willen des Verstorbenen entsprechend für eine Beisetzung in Deutschland, so müssen die Angehörigen die Überführung des Verstorbenen aus der Türkei nach Deutschland organisieren.

Die Überführung eines Toten aus dem Ausland kann sich vor allem dann schwierig gestalten, wenn keine Angehörigen vor Ort sind, um die notwendigen Formalitäten vor Ort regeln zu können. In solchen Fällen helfen und beraten die Mitarbeiter der deutschen Auslandsvertretungen. Sie unterstützen deutsche Staatsbürger dabei, ein Bestattungsunternehmen vor Ort auszuwählen und zu beauftragen. Dieses organisiert anschließend die Überführung.

Die Überführung eines Sarges kann mit wesentlichen Kosten verbunden sein. Die günstigere Variante der Feuerbestattung im Ausland mit anschließender Überführung der Totenasche in das Heimatland ist in der Türkei nicht möglich (siehe Erläuterung oben). Die Kosten der Überführung des Leichnams müssen die Angehörigen selbst tragen.

Falls der Verstorbene eine Auslandsreiseversicherung hatte ist eine Anfrage hinsichtlich der Beteiligung an den Kosten einer Überführung des Leichnams sinnvoll.

4. Nachlass und Erbschein

In der Regel muss nach einem Todesfall der nachlass des Verstorbenen abgewickelt werden. Um über das Vermögen des Verstorbenen verfügen zu können, benötigen die Erben einen Erbschein als nachweis ihres Erbrechts. Mehr dazu erfahren Sie unter dem Stichwort „Erbrecht“.

Alle Informationen in diesem Merkblatt beruhen auf Erkenntnissen der deutschen Auslandsvertretungen in der Türkei zum Zeitpunkt der Textabfassung. Für ihre Richtigkeit und Vollständigkeit kann keine Gewähr übernommen werden.

Weiterführende Seiten

Hier finden Sie die Webseite des Standesamtes I in Berlin, das für Geburts- und Sterbefälle für alle Deutschen im Ausland zuständig ist.

Bestattungsunternehmer

Folgende Unternehmen sind bekannt, die Überführungen von Toten in die Bundesrepublik Deutschland durchführen: