Rückblick auf die archäologische Zusammenarbeit

Kazı ekibinden görüntü Bild vergrößern created by SCHEDULE (Copyright Fink & Partner) (© DAI) Auf dem Gebiet der Archäologie reicht die Geschichte zwischen Deutschen und Türken bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück. Gleichzeitig spiegelt sich in ihr auch die  Entwicklung des allgemein bekanntesten Zweiges der Archäologie, der Ausgrabung, zur Wissenschaftlichkeit hin wider. Ausgrabungen sind noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein weitgehend dilettantische Unternehmen, bei denen es vor allem um die Suche nach interessanten und wertvollen Funden geht. Spätestens seit Beginn des 20. Jahrhunderts setzt sich jedoch immer mehr die Erkenntnis durch, dass wichtiger noch als das Gewinnen immer neuer Objekte das Beobachten des originalen Fundzusammenhanges ist.

Troia

Heinrich Schliemann unternimmt die erste offizielle Grabungskampagne am Hügel Hissarlik in der Troas. Bis 1890 erforscht er die diversen Siedlungsschichten, und 1893-94 führt Wilhelm Dörpfeld die Untersuchungen fort. Von 1988 bis zum Jahre 2012 ist der Ausgrabungsort wieder unter deutscher Grabungslizenz. Prof. Dr. Manfred Osman Korfmann leitet die Grabungskampagnen sehr erfolgreich bis zu seinem plötzlichen Tode im August 2005. Seinem unermüdlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass Troia 1996 zum ‘’Historischen Nationalpark Troia’’ erklärt und 1998 zum UNESCO-Weltkulturerbe deklariert wird. Die Bemühungen um die Errichtung eines Museums in Troia, in dem alle national und international verstreuten Funde aus Troia ausgestellt werden können, dauern noch an.

2006 erhält Prof. Dr. Ernst Pernicka die Erlaubnis zur Fortführung der wissenschaftlichen Arbeiten in Troia. Seit 2012 leiten Archäologen der Çanakkale Onsekiz Mart Universität die Grabungsstätte Troia.

Pergamon

Carl Humann beginnt am 9. September 1878 mit Grabungsarbeiten in Pergamon Pergamon Rote Halle 1 Bild vergrößern Pergamon Halle 1 (© Projekt Pergamon, Deutsches Archäologisches Institut)

Nach erfolgreichen Verhandlungen zwischen dem Deutschen und dem Osmanischen Reich wird von der zunächst vorgesehenen Fundteilung zwischen der Türkei und Deutschland abgesehen. Ein ausgehandelter Vertrag, für den sich auch Bismarck einsetzt, sieht gegen Zahlung von 20000 Mark die Überführung der Altarfunde von Pergamon nach Berlin vor. Später setzen Alexander Conze und dann Wilhelm Dörpfeld die Arbeiten fort, und seit 1927 führt das Deutsche Archäologische Institut dort sowohl Ausgrabungen als auch verschiedene international beachtete  Restaurierungsprojekte durch. Die Grabungen werden seit 2016 von Prof. Dr. Felix Pirson geleitet. 

Im Juni 2014 wurde Pergamon und seine Kulturlandschaft in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten aufgenommen.

Priene, Milet und Didyma

Der klassische Archäologe Theodor Wiegand kommt erstmals als Assistent des Archäologen Carl Humann nach Priene und führt dort die Grabungskampagnen für den erkrankten Humann fort.

Nach Freilegung von Priene im Jahre 1899 gräbt er von 1899 bis 1911 Teile der antiken Weltstadt und Handelsmetropole Milet aus.

Von 1905 bis 1911 finden erste Ausgrabungen in Didyma statt.

Priene Athenatempel Bild vergrößern Priene Athenatempel (© Projekt Priene, Deutsches Archäologisches Institut) Priene, Milet und Didyma sind heute touristisch gut erschlossene Ruinenstätten an der türkischen Westküste. Das Deutsche Archäologische Institut führt in Kooperation mit deutschen Universitäten in Milet und Didyma jährlich Ausgrabungen durch. Die Leitung des Grabungsortes Priene hat 2014 die Uludağ Universtität in Bursa übernommen. Didyma Apollentempel Bild vergrößern Projekt Didyma, Deutsches Archäologisches Institut (© Projekt Didyma, Deutsches Archäologisches Institut)

Hattuscha

Hugo Winckler, Assyriologe und Keilschriftforscher, unternimmt im Auftrag der Deutschen Orient Gesellschaft zusammen mit dem türkischen Archäologen Theodor Makridi Bey Ausgrabungen in Hattuscha. Auf diese ausgedehnte Stadtruine in Zentralanatolien waren im 19. Jahrhundert schon andere Forschungsreisende aufmerksam geworden, aber erst die 1906-1907 gefundenen Keilschrifttafelarchive brachten die Gewissheit, dass hier einst die Hauptstadt des spätbronzezeitlichen Hethiter-Reiches lag. Seit 1931 werden die Forschungen in Hattuscha kontinuierlich unter der Leitung des Deutschen Archäologischen Instituts fortgesetzt (Grabungsleiter: PD Dr. Andreas Schachner).

1986 wird Hattuscha in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Hititologe Prof. Dr. Gustav Güterbock und der damalige Staatspräsident Celal Bayar Bild vergrößern Hititologe Prof. Dr. Gustav Güterbock und der damalige Staatspräsident Celal Bayar (© DAI)

Hugo Winckler und Carl Humann verband eine enge Freundschaft mit Osman Hamdi Bey, Gründer des imperialen Museums in Istanbul und Pionier der Archäologie auf türkischem Boden. Er war maßgeblich an der Schaffung des 1884 erlassenen ‘Gesetzes zum Schutz des antiken Kulturgutes’ beteiligt.

Im Zuge der Bildungsreformen in der Türkei unter Mustafa Kemal Atatürk wurden in den späten dreißiger und frühen vierziger Jahren des 20. Jhs. die ersten namhaften Archäologen – auch an deutschen Universitäten – ausgebildet. Unter den Forschern sind Ekrem Akurgal (klassische Archäologe), Tahsin und Nimet Özgüç (Vorderasiatische Archäologie), Sedat Alp (Hethitologie) und Halet Çambel (prähistorische Archäologie) zu nennen. Die seit dieser Zeit ausgesprochen engen Beziehungen zwischen deutscher und türkischer Archäologie werden besonders von der Abteilung Istanbul des Deutschen Archäologischen Instituts gepflegt.