Bildungssystem

Schüler bei der Arbeit Bild vergrößern Begabung, Fleiß und eine Prise Glück (© dpa/pa) Die türkische Bevölkerung ist sehr jung - etwa 25 Prozent sind im schulpflichtigen Alter. Deshalb hat der Bildungssektor große Bedeutung für die weitere Entwicklung des Landes. Im Schuljahr 2012/13 wurden 16,2 Millionen Schülerinnen und Schüler in 56.574 Grund- und weiterführenden Schulen unterrichtet. Zum Vergleich: Bei einer um 10 Millionen größeren Bevölkerung werden an deutschen allgemeinbildenden Schulen nur knapp 9 Millionen Schüler unterrichtet.

Die AKP-Regierung unternimmt seit ihrem Amtsantritt im November 2002 umfangreiche Bemühungen zur Reform des zentralistischen und auf veralteten Methoden und Strukturen beruhenden Bildungswesens. Nach der Bildungsreform im Jahre 2004 (Erhöhung der Schulpflichtzeit an den Gymnasien von 3 auf 4 Jahre), wurde im Zuge des letzten tiefgreifenden Bildungsreformgesetzes vom April 2012 die Schulpflicht von acht auf zwölf  Schuljahre angehoben. Das Einschulungsalter wurde auf 5 Jahre herabgesetzt. Der Schulbesuch gliedert sich in je 4 Jahre Grundschule, Mittelschule und Oberschule (bisher: 8 Jahre durchgehende Grundschule). Ab dem 5. Schuljahr ist auch ein Wechsel in eine religiöse Imam-Hatip-Schule möglich (bisher: Wechsel erst nach der 8. Klasse). Der Besuch der Oberschule ist auch im Wege von Fernunterricht möglich.

Im Zuge der Reform ist es seit diesem Schuljahr erstmalig in der Geschichte der Türkei auch möglich, Sprachunterricht in den regionalen Muttersprachen Kurdisch (Kurmandschi und Zaza) und Tscherkessisch mit 2 Wochenstunden als Wahlpflichtfach an allgemeinbildenden staatlichen Mittelschulen und Imam-Hatip-Mittelschulen zu wählen. Lehrmaterial für diese Sprachen/Dialekte wurden vom Ministerium für Nationale Erziehung erarbeitet.

Der verpflichtende Fremdsprachenunterricht wird nun schon ab der 2. Klasse mit jeweils 2, ab der Mittelstufe mit 4 Wochenstunden angeboten (vorher: insgesamt erst ab der 4.Klasse).

Klasse). Bereits im Jahre 2005 wurde an ca. 500 Gymnasien die zweite Pflichtfremdsprache wieder eingeführt. Im Schuljahr 2009/2010 waren es bereits ca. 800 Gymnasien, bis 2012 sollte die Zahl auf ca. 1.500 erhöht werden. Aktuell liegt die Zahl nach Angaben des Erziehungsministeriums bei 1.354. Dies hat insbesondere die Stellung des Deutschunterrichts an türkischen Schulen gestärkt. Im Bereich der zweiten Fremdsprache rangiert Deutsch in der Türkei mit ca. 90% deutlich an erster Stelle. Der Bedarf insbesondere an Deutschlehrern steigt dadurch weiter an. In der Türkei sind ca. 90 von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) vermittelte Lehrer tätig.

Im Jahr 2013 steht dem Erziehungsministerium ein Budget von rund 39 Mrd. TL (ca. 17 Mrd. Euro) zur Verfügung. Bei ihren Bemühungen zur Reform des zentralistischen und auf eher starren und hierarchischen Strukturen basierenden Bildungswesens wird die Regierung von der EU und UNICEF unterstützt – wobei letztere vor allem auch ein Interesse daran haben, Chancengleichheit für alle Einkommensschichten und vor allem für Mädchen zu erreichen.