Kaya Yanar-Mirja Boes - Deutsche Comedy in der Türkei

Bild vergrößern

Das Gloria Sport Hotel Belek/Antalya bot im Rahmen einer von einem deutschen Reiseveranstalter organisierten Veranstaltung die Bühne für  2 deutsche Spitzencomedians, nämlich Kaya Yanar und Mirja Boes.

Viele Gäste kamen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, aber zum Beispiel auch der (deutschsprachige) frühere türkische Ministerpräsident Mesut Yilmaz liess sich diese Veranstaltung nicht entgehen, viele aktuelle und ehemalige Minister sowie hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur rundeten die Gästeliste ab.

Während Mirja Boess die 1200 Zuschauer in der bis auf den letzten Platz voll besetzten Arena mit Teilen Ihres aktuellen Programms, „Das Leben ist kein Ponyschlecken“ bestens unterhielt und dabei besonders die Rolle zwischen Mann und Frau sehr pointenreich wiedergab, nahm Kaya Yanar die Fangemeinde etwas später mit auf seine Reise „Around The World“ und brillierte mit den typischen Eigenheiten und Dialekten der Menschen unter anderem aus Deutschland, der Türkei, Schweiz, China, Kroatien, Rumäniens oder Frankreich, zeigte sich aber auch kämpferisch, dass die Comedy sich niemals dem Terror beugen dürfe und demonstrierte dies mit einigen Einlagen. Erst nach 2-maliger Zugabe und unter frenetischem Applaus konnte er die Bühne schliesslich verlassen. 

(Vor dem Auftritt hatte ich die Gelegenheit zu einem wirklich interessanten Interview mit Kaya, das Sie unter "mehr" lesen können)

Jörg Fürstenau

Lieber Kaya, ein früheres Programm, aus dem Jahre 2012 mit dem Du auch in Antalya aufgetreten bist, nennt sich „Apfelstrudel trifft Baklava“,  was bzw. wie hat sich der Künstler Kaya Yanar seither verändert?

Eigentlich gar nichts, (lacht) ich mache immer noch Quatsch und die Leute mögen es. …im deutschsprachigen Raum und dazu gehört die Region Antalya ja auch mittlerweile.

 

Was dürfen die Zuschauer von Deinen neuen Programmen „Planet DEU und Reiz der Schweiz“ erwarten?

Das (Planet Deutschland) ist ganz neu, es läuft ab März, für die Schweiz gibt es ein anderes, eigenes Programm „Reiz der Schweiz“, da geht’s nur um die Schweizer und ihre Eigenheiten, die Schweizer Kultur und da das in Deutschland  nicht immer jeden so interessiert wie ich festgestellt habe, ich habe nämlich immer so eine Art Mischprogramm gemacht, kam dann meine Freundin irgendwann auf die Idee und sagte „trenn das doch, mach ein Programm für die Schweizer und eines für die Deutschland“. Irgendwann wird es dann sicher auch noch ein Programm nur für Österreich geben.

 

Stimmt es, dass Kaya Yanar eigentlich sehr schlecht TUR spricht?

Ja, sehr schlecht, ich hatte Latein, Altgriechisch, Französisch und Englisch, da war dann irgendwann kein Platz mehr auf der Festplatte.

 

Wo wurdest Du geboren, und wo bist Du aufgewachsen?

Ich bin ein Frankfurter Bub, Kindergarten, Schule, Studium, alles, die Karriere hat mich dann irgendwann nach Köln geführt und durch meine Freundin jetzt in die Schweiz, in die Nähe von Zürich.

 

Hast Du noch Familie in der Türkei?

Meine Mutter ist oft in Antalya, lebt aber eigentlich nach wie vor in Frankfurt mit meinem Bruder.  Mein Bruder ist noch dort mit seiner Familie, aber meine Mutter ist oft hier (in Antalya), eigentlich so oft es geht. Ansonsten habe ich noch Verwandte in Antakya, das ist die südlichste Stadt der Türkei, da haben wir irgendwie etwas wie 3000 Verwandte, die halbe Stadt gehört uns.

 

Wie bist Du zur Comedy gekommen, ein Kindheitstraum, bis Du 2001 mit „Was guckst Du“ erfolgreich wurdest?

Das waren viele, viele Zufälle. Ich habe schon immer meine Freunde zum Lachen gebracht auch in der Pubertät und die fanden es lustig und sagten „mach da mal was draus“. Es gab halt keine Comedy Kultur in Deutschland in den 80ern oder 90ern. Klar gab es Otto, es gab Rudi Carell, aber mein Weg war jetzt nicht so vorgezeichnet wie in den USA oder England. Dort gibt es Stand Up Schuppen, Stand Up Workshops, da gibt es eine eigene Kultur an der man schon sehr früh teilnehmen kann. Ich habe mich am Anfang durchgeschlängelt, habe erst einige Animationsjobs gemacht, dann einige Moderationsjobs, dann hatte ich eine Freundin in Berlin, die sagte es gibt offene Bühnen, da habe ich erstmals das Prinzip der offenen Bühne kapiert, das man  einfach 5 Minuten auf eine Bühne gehen und sofort loslegen kann und das habe ich halt alles gemacht. So kam Eins zum Anderen, dann hat sich das ein wenig herumgesprochen und dann wurde 1999 das Fernsehen auf mich aufmerksam und 2001 gab es dann die Show „Was guckst Du“, as war dann der Durchbruch. Das war also alles anfangs eine irgendwie eher  komplizierte Nummer.

 

Finden Du DEU Comedy anspruchsvoll, witzig, wer sind Deine persönlichen Favoriten?

Auf jeden Fall ist die Deutsche Comedy Szene größer und vielfältiger geworden. Früher gab’s einfach nicht so viel Angebot. Aber großes Angebot bedeutet nicht, dass Qualität gleich Quantität ist. Insgesamt gibt es mehr Angebot an beiden, sowohl an guter als auch an schlechter Comedy. Das ist aber immer noch besser als vor 15 Jahren, als es weniger Angebot per se gab. Man kann sich heute die Comedys herauspicken, im Endeffekt ist Comedy sowieso Geschmacksache. Es gibt Comedys, die finde ich schweinelustig, Teddy Teclebrhan zum Beispiel, der eigentlich über YouTube bekannt wurde, gar nicht übers klassische, lineare Fernsehen. Paul Panzer ist ein wirklich lustiger Kollege von mir, das sind so Leute über die ich wirklich lachen kann und dann gibt eine Menge über die ich überhaupt nicht lachen kann, aber die sage ich jetzt hier nicht (lacht) weil beim nächsten Comedy Preis muss ich da dann wieder ….Diplomatie beweisen.

Wie ist Dein Verhältnis zu Bülent Ceylan?

Er hat halt ein paar Haare mehr und außerdem ist er ein wirklich lieber Kollege, wahrscheinlich der liebste Kollege, den ich kenne. Er ist im Showbusiness ein lieber, aufrichtiger Kerl, unser Verhältnis ist freundschaftlich, wir telefonieren auch privat miteinander und laden uns immer gegenseitig in die Shows ein, uns gibt’s meist nur im Doppelpack.

 

Du bist Pate eines Schulprojektes vs Rassismus in DEU –wie sieht diese Patenschaft aus?

Ich werde zu Projekten eingeladen, ich darf Worte und Kommentare auf deren Facebookseite veröffentlichen, auch auf meiner, wir sind im Austausch miteinander. Wenn es neue Projekte gibt, dann versuche ich dort auch persönlich anwesend zu sein, das sind Dinge, die man so begleitend macht. Das ist jetzt kein Masterplan oder ein Vertrag für die nächsten 5 Jahre, das ist halt immer so, wie gerade etwas anfällt, situativ. Die meiste Zeit arbeitet die Schule halt mit meinem Namen oder den Fotos die sie vor der Schule von mir geschossen haben.

 

Du hast 2 Auftritte dieses Jahr in der TUR wegen der Sicherheitslage abgesagt, was geht da in einem Komiker vor, wie wägt man das für sich ab, wo man doch eigentlich nur die Leute zum Lachen bringen will?

Ja, es ist schade, aber ich denke nicht dran(en Terror). Ich glaube auch nicht, dass es gerade mich erwischt oder meine Zuschauer, also die Chance durch einen terroristischen Akt ums Leben zu kommen sind immer noch viel geringer als durch einen Autounfall ums Leben zu kommen, vor allem bei den Kilometern, die ich im Jahr abreiße. Meine Befürchtungen sind da sehr, sehr gering. Letztlich war es übrigens der Veranstalter, der das abgesagt hat, das muss man respektieren, ich fand es sehr schade, ich hätte gespielt. Ich wurde auch nach den Paris Anschlägen gefragt, sagst Du das jetzt ab, ich sagte nein, ich lasse mir nicht durch einen terroristischen Akt meine Lebensweise verbieten. Ich verlasse mich da auf die Veranstalter, das sind alles Profis und wenn sie es nicht machen, ist es deren Meinung, aber ich will immer spielen.

                                                                                      

Denkst Du, dass die Comedy auch Stellung zum Thema Terrorismus beziehen sollte, Stichwort „Charlie Hebdo“?!

Absolut! Es gibt verschiedene Formen von Comedy, es gibt Leute, die gehen zum Komiker um sich ablenken zu lassen, bloß nicht an das Zeitgeschehen denken und es gibt Leute wie meine Wenigkeit und es gibt natürlich auch noch viele andere In Deutschland , ganz klar, die wollen das Zeitgeschehen kommentieren, weil das lässt einen ja auch nicht kalt. Das Ablenken ist halt nicht meins, ist immer so ein bisschen wie eine Flucht, aber nichtsdestotrotz, Flucht ist auch OK. Ich habe in meinen Bühnenprogrammen auch immer wieder Gags über Terroristen gemacht wie zum Beispiel im Terrorcamp ausgebildete Selbstmordattentäter. Wie sieht denn so eine Ausbildung aus? Angeblich soll das 2 Jahre gehen, aber alles, was sie machen müssen ist einen Knopf zu drücken. Die Ausbildung ist eigentlich sehr kurz. Alles was der Ausbilder sagt ist – so Jungs, ich zeig Euch das jetzt genau 1 Mal. (Lacht)

 

Sehen wir Kaya Yanar 2016 wieder in der Türkei?

Ich hoffe, wir wollen natürlich die abgesagten Auftritte 2016 sehr gern nachholen.

 

Welches sind Deine Wünsche für 2016 a.) im Allgemeinen und b.) persönlich?

Im Allgemeinen ist ja ganz klar, der Wunsch der so alt ist wie die Menschheit nämlich Frieden. Wenn ich mir das so anschaue, wir haben Spannungen in Deutschland,  Angst vor Terrorismus, das Flüchtlingsproblem, wir haben so viele Sachen, die 2016 definitiv nicht friedlich werden lassen, aber trotzdem würde ich mir wünschen, dass wir all diese Probleme in der Griff kriegen, was bleibt uns auch anderes übrig? Für mich persönlich…Nachwuchs glaube ich, ich bin jetzt 42, gehe auf die 60 zu, ich glaube es wird so langsam Zeit.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch.

Sehr gern!